Glossar

Begriff

Erklärung

AbtretungDie Abtretung der pfändbaren Einkommensanteile ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist eine gesetzlich vorgeschriebene Voraussetzung zur Erlangung der Restschuldbefreiung.
Abweisung mangels MasseStellt sich nach Antragstellung heraus, dass die voraussichtliche Insolvenzmasse nicht zur Deckung der Kosten des Insolvenzverfahrens ausreichen wird und kommt eine Stundung der Verfahrenskosten nicht in Betracht, wird der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahren mangels einer kostendeckenden Masse abgewiesen. Das Insolvenzverfahren wird nicht eröffnet.
Ankündigung der RestschuldbefreiungMit dem Beschluss über die Ankündigung der Restschuldbefreiung setzt das Insolvenzgericht das Verfahren zur Erlangung der Restschuldbefreiung förmlich in Gang. Dies ist regelmäßig dann der Fall, wenn nicht bereits von vornen herein klar erkennbar ist, dass die Restschuldbefreiung nicht erlangt werden kann.
AufhebungDie Aufhebung des Insolvenzverfahrens beschließt das Insolvenzgericht nach Klärung der Gläubigerforderungen, Verwertung des Vermögens und Verteilung der vereinnahmten Gelder an die Gläubiger. Nach Aufhebnung beginnt Insolvenzverfahren im Verbraucherinsolvenzverfahren und im Regelinsolvenzverfahren Selbstständiger die sog. Wohlverhaltensperiode.
außergerichtlicher SchuldenbereinigungsplanDer außergerichtliche Schuldenbereinigungsplan ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Verfahren zur Schuldenregulierung. Erst, wenn dieser Einigungsversuch scheitert, ist ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zulässig. Ein sog. Nullplan ist hierbei ebenfalls möglich.
DeliktforderungDeliktforderungen sind Forderungen aus einer vom Schuldner vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung (z. B. Bußgelder), die nicht von der Restschuldbefreiung erfasst sind, d. h., dass der Schuldner diese Forderungen trotz des Insolvenzverfahrens vollständig bezahlen muss.
EigenantragEin Eigenantrag ist ein vom Insolvenzschuldner selbst gestellter Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens.
EröffnungDas Insolvenzverfahren beginnt mit der Eröffnung durch Beschluss des Insolvenzgerichts. Dies auch der Stichtag, ab welchem die 6-jährige Abtretungsfrist (Abtretung der pfändbaren Einkommensanteile) beginnt.
EröffnungsgrundAls Gründe für die Insolvenzeröffnung kommt in allen Verfahrensarten die Zahlungsunfähigkeit in Betracht. Bei juristischen Personen (z. B. GmbH) ist auch die Überschuldung ein Grund für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.
ErwerbsobliegenheitErwerbsobliegenheit bezeichnet die Pflicht eines Schuldners, sich während des Insolvenzverfahrens im eigenen Interesse um eine zumutbare Arbeit oder Anstellung zu bemühen. Sie umfasst auch die Pflicht, sich aktiv zu bewerben. Wie weit die Pflicht zu Bewerbungen geht, hängt vom Einzelfall ab. Als Grundregel sind 2 – 3 Bewerbungen pro Woche ausreichend. Ein Verstoß kann zur Versagung der Restschuldbefreiung führen.
FreigabeDer Insolvenzverwalter hat die Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen bestimmte Vermögenswerte oder eine selbstständige Tätigkeit aus der Insolvenzmasse freizugeben. Diese Entscheidung obliegt alleine dem Insolvenzverwalter, der hierbei sowohl rechtliche als auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt.
FremdantragEin Fremdantrag ist ein von einem Insolvenzgläubiger gestellter Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Insolvenzschuldners. Der Antrag des Gläubigers ist glaubhaft zu machen, d. h. das Vorliegen eines Eröffnungsgrundes muss belegt werden.
gerichtlicher SchuldenbereinigungsplanEin gerichtlicher Schuldenbereinigungsplan ist ein gesetzlich vorgesehenes Einigungsverfahren, das nach Dem Antrag vom Insolvenzgericht eingeleitet wird, wenn eine Einigung nicht offensichtlich aussichtslos ist. Kommt ein gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren zustande, wird das Insolvenzverfahren nicht eröffnet. Stattdessen werden in diesem Verfahren vom Schuldner Zahlungen (Einmalbetrag oder Raten) an die Gläubiger vorgenommen. Danach können die Gläubiger den noch offenen Restbetrag der Forderungen nicht mehr gegen den Schuldner geltend machen.
GläubigerverzeichnisIn dem Gläubigerverzeichnis gibt der Schuldner im Antrag an, welche Schuldner er hat. Das Verzeichnis muss vollständig sein.
GutachterEin Gutachter wird nach Antragstellung vom Insolvenzgericht regelmäßig dann bestellt, wenn nicht feststeht, dass die Voraussetzungen für eine Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorliegen. Der Gutachter ermittelt die finanzielle Situation des Schuldners und stellt fest, ob ein Grund zur Eröffnung des Verfahrens vorliegt. Ein Gutachter wird in Verbraucherinsolvenzverfahren eher selten bestellt.
InsolvenzbeschlagNach Eröffnung des Insolvenzverfahrens unterliegen die pfändbaren Vermögenswerte dem sog. Insolvenzbeschlag, d. h. der Schuldner darf über diese Gegenstände nicht mehr verfügen (s. B. sie veräußern).
InsolvenzforderungenInsolvenzforderungen sind die Forderungen, welche bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens begründet wurden. Diese können nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens grundsätzlich nur noch durch Anmeldung der Forderung zur Insolvenztabelle beim Insolvenzverwalter geltend gemacht werden.
InsolvenzgerichtDas Insolvenzgericht ist das für Insolvenzverfahren zuständige Amtsgericht.
InsolvenzgläubigerInsolvenzgläubiger sind die Gläubiger, die Forderungen gegen den Insolvenzschuldner erheben, die vor Eröffnung begründet wurden. Sie können  diese Forderungen nach Eröffnung des Verfahrens nur noch zur Insolvenztabelle anmelden.
InsolvenzmasseDie Insolvenzmasse ist das Vermögen des Schuldners, das ihm zum Zeitpunkt der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gehört und das er während des Verfahren erlangt. Zur Insolvenzmasse gehören nur pfändbare Vermögensgegenstände.
InsolvenzplanDas Insolvenzplanverfahren ist eine gesetzlich vorgesehene Möglichkeit für den Schuldner und die Gläubiger, eine Regulierung der Schulden abweichend von den insolvenzrechtlichen Abwicklungs- und Verwertungsregelungen zu vereinbaren. Ein Insolvenzverfahren ist ab dem 01.07.2014 unter bestimmten Voraussetzungen auch für Verbraucher möglich.
InsolvenztabelleIn der Insolvenztabelle führt der Insolvenzverwalter alle Forderungen, die von Gläubigern geltend gemacht wurden. Der Insolvenzverwalter prüft diese Forderungen auf Ihren rechtlichen Bestand und verteilt die Erlöse aus der Verwertung des pfändbaren Vermögens auf der Grundlage der zur Insolvenztabelle festgestellten Forderungen (sog. Quote).
InsolvenzverwalterNach Eröffnung des Insolvenzverfahrens tritt der Insolvenzverwalter in die Rechte und Pflichten des Schuldners ein, soweit der Insolvenzbeschlag reicht (siehe Insolvenzbeschlag). Dies gilt sowohl im Regel- als auch in Verbraucherinsolvenzverfahren (mit Antragstellung ab dem 01.07.2014; für Verbraucherinsolvenzverfahren mit Antragstellung bis zum 30.06.2014 beantragt werden siehe Treuhänder).
NeuerwerbNeuerwerb ist das nach Insolvenzeröffnung erworbene Vermögen des Insolvenzschuldners. Dieses unterliegt dem Insolvenzbeschlag, soweit es sich um pfändbares Vermögen handelt.
NeugläubigerNeugläubiger sind die Gläubiger, die nach Insolvenzeröffnung eine Forderung gegen den Schuldner erwerben. Diese Schulden muss der Schuldner regelmäßig bezahlen, da sie im laufenden Verfahren nicht zur Insolvenztabelle aufgenommen werden können.
NullplanDer sog. Nullplan ist eine Form eines Schuldenbereinigungplans, in welchem den Gläubigern wegen Vermögenslosigkeit des Schuldners keine Zahlungen angeboten werden.
ObliegenheitObliegenheiten sind insolvenzrechtliche Pflichten des Schuldners, die im eigenen Interesse zu erfüllen sind. Bei einem Verstoß (siehe Obliegenheitsvertoß) droht die Versagung der Restschuldbefreiung.
ObliegenheitsverletzungDen Insolvenzschuldner (natürliche Person) treffen im Insolvenzverfahren bestimmte Obliegenheiten (Katalog des § 295 InsO). Dies sind Pflichten, die er im eigenen Interesse erfüllen sollte. Bei Nichterfüllung droht die Versagung der Restschuldbefreiung.
PfändungsfreigrenzeDie Pfändungsfreigrenze beschreibt die Einkommensschwelle, in deren Höhe dem Schuldner das Einkommen als unpfändbar zu belassen ist. Diese Einkommen dient zur Deckung seiner laufenden notwendigen Lebenhaltungskosten. Einen festen Schwellenwert gibt es nicht. Vielmehr richtet sich die Grenze nach der Höhe der Einkünfte sowie der Anzahl der gesetzlich unterhaltsberechtigten Personen. Wobei zu beachten ist, dass sich das Einkommen zum Teil auch aus unpfändbaren oder teilweise pfändbaren Beträgen zusammen setzt, die bei der Ermittlung der Grenze zu beachten sind.
QuoteDie Quote bezeichnet im Insolvenzverfahren die Höhe der Zahlung an die Insolvenzgläubiger, die aus dem Erlös der Verwertung vom Insolvenzverwalter an die Gläubiger gezahlt wird. In der überwiegenden Anzahl der Insolvenzverfahren erhält der Gläubiger keine vollständige, d.h. 100%ige, Zahlung auf die Forderungen, sondern nur einen Teil (die Quote).
redlicher SchuldnerUnter dem sog. redlichen Schuldner ist zu verstehen, dass Schuldner seine Obliegenheiten einhalten muss, um die Restschuldbefreiung zu verlangen.
RegelinsolvenzverfahrenDas Regelinsolvenzverfahren ist die für juristische Personen (z. B. GmbH) und Personengesellschaften (z. B. KG) sowie für Selbstständige vorgesehene Verfahrensart. Für Privatleute ist die besondere Verfahrensart des Verbraucherinsolvenzverfahren vorgesehen; dies  gilt unter bestimmten Voraussetzungen auch für ehemals Selbstständige.
RestschuldbefreiungDie Erteilung der Restschuldbefreiung  am Ende eines Insolvenzverfahrens bedeutet, dass der Schuldner sämtliche Schulden, die im Zeitpunkt des Insolvenzantrags vorhanden waren, nicht ausnahmsweise von der Restschuldbefreiung ausgenommen sind (z. B. Bußgelder) und während des Verfahrens nicht befriedigt werden konnten, nicht mehr bezahlen muss.
Restschuldbefreiung, verkürzteFür Verfahren, die ab dem 01.07.2014 beantragt werden, sieht das Gesetzt eine Möglichkeit der Verkürzung von 6 auf 5 bzw. 3 Jahre vor, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Restschuldbefreiung, vorzeitigeEine vorzeitige Erteilung der Restschuldbefreiung kann beantragt werden, wenn entweder kein Insolvenzgläubiger seine Forderungen zur Insolvenztabelle angemeldet hat oder die Forderungen der im Insolvenzverfahren festgestellten Forderungen und die Verfahrenskosten vollständiig gedeckt sind.
Restschuldbefreiung, Widerruf derDie Restchuldbefreiung kann auf Antrag eines Gläubiger binnen eines Jahres nach Rechtskraft der Erteilung der Restschuldbefreiung nachträglich widerrufen werden, wenn der Schuldner eine seiner Obliegenheiten verletzt und hierdurch die Befriedigung der Insolvenzgläubiger erheblich verletzt hat.
TreuhänderBei Verbraucherinsolvenzverfahren mit Antragstellung bis zum 30.06.2014 beantragt werden, tritt ab Eröffnung des Verfahrens anstelle eines Insolvenzverwalters ein gerichtlich bestellter Treuhänder in die Rechte und Pflichten des Schuldners ein, soweit der Insolvenzbeschlag reicht. In Insolvenzverfahren über das Vermögen natürlicher Personen übernimmt ein gerichtlich bestellter Treuhänder ab Aufhebung des Insolvenzverfahrens bis zur Erteilung der Restschuldbefreiung, d. h. in der sog. Wohlverhaltensperiode, die Aufgabe, die pfändbaren Einkommensanteile und ggf. die Hälfte einer Erbschaft einzubehalten und jährlich an die Gläubiger auszukehren.
unterhaltsberechtigte PersonenUnterhaltsberechtigte Personen sind die Personen, denen aufgrund des Verwandtschaftsgrades nach dem Gesetz Unterhlat zu gewähren ist. Eine Berücksichtigung dieser Personen bei Bestimmung der Pfändungsfreigrenze kann nur erfolgen, wenn auch tatsächlich Unterhalt geleistet wird. Dies kann durch Zahlung oder auch den sog. Naturalunterhalt erfolgen. Naturalunterhalt wird dann geleistet, wenn der Schuldner einer in seinem Haushalt lebenden Person den notwendigen Lebensunterhalt (z. B. durch Lebensmittel, Kleidung, Wohnraum) zur Verfügung stellt.
VerbraucherinsolvenzverfahrenDas Verbraucherinsolvenzverfahren ist die Möglichkeit, für nicht selbstständig tätige natürliche Personen, ein Insolvenzverfahren durchzuführen mit dem Ziel, nach regelmäßig 6 Jahren die Restschuldbefreiung zu erreichen. Auch ein Verbraucher hat so die Möglichkeit eines wirtschaftlichen Neuanfangs.
VerfahrenskostenDie Verfahrenskosten des Insolvenzverfahrens setzen sich aus den Gerichtskosten und der Vergütung des Insolvenzverwalters bzw. Treuhänders zusammen. Es gibt keine festen Pauschalen. Die Höhe bestimmt sich nach dem Aufwand, d. h. der Anzahl der Gläubiger und/oder der verwalteten Insolvenzmasse.
VerfahrenskostenstundungBei Vermögenslosigkeit muss der Schuldner nicht bereits am Anfang des Verfahrens die Verfahrenskosten als Vorschuss zahlen, sondern erst später (Stundung). Ist der Schuldner auch am Ende des Verfahren vermögenslos, prüft das Insolvenzgericht, das die Verfahrenskosten in Rechnung stellt, noch 4 Jahre nach Erteilung der Restschuldbefreiung, ob der Schuldner die Kosten zahlen kann (sog.”Nachhaftung”). Erst, wenn nach Ablauf von 4 Jahren nach Erteilung der Restschuldbefreiung Vermögenslosigkeit vorliegt, entscheidet das Gericht, ob die Verfahrenskosten niedergeschlagen, d.h. erlassen werden.
Versagung der RestschuldbefreiungDie Restschuldbefreiung wird auf Antrag eines Gläubigers versagt, wenn der Schuldner seine Obliegenheiten verletzt hat. Die Entscheidung über die Versagung trifft das Insolvenzgericht. Der Schuldner wird vorher angehört.
VollstreckungsverbotAb Eröffnung des Insolvenzverfahrens besteht ein gesetzliches Verbot, die Insolvenzforderungen im Wege der Zwangsvollstreckung weiter zu verfolgen.
vorläufiger InsolvenzverwalterEin vorläufiger Insolvenzverwalter wird im Regelinsolvenzverfahren bestellt, wenn Gegenstände, die nach Eröffnung dem Insolvenzbeschlag unterliegen, bereits vor Eröffnung gesichert werden müssen. Der vorläufige Insolvenzverwalter sorgt dafür, dass diese Gegenstände als Haftungsmasse im Vermögen des Schuldners erhalten bleiben.
WohlverhaltensperiodeNach Aufhebung des Verfahrens beginnt der zweite Verfahrensabschnitt des insgesamt regelmäßig 6 Jahre dauernden Verfahrens, die sog. Wohlverhaltensperiode (oder Restschuldbefreiungsphase genannt). In diesem Verfahrensabschnitt hat der Schuldner nur noch die pfändbaren Einkommensanteile und ggf. die Hälfte einer Erbschaft an den Treuhänder abzuführen, ansonsten ist er wieder selbst verfügungsbefugt. Das “Wohlverhalten” in diesem Verfahrensabschnitt bedeutet, dass der Schuldner bestimmte Regeln einhalten muss wie etwa die Erwerbsobliegenheit oder die Pflicht, einen Wohnsitzwechel mitzuteilen.
ZahlungsunfähigkeitZahlungsunfähigkeit liegt vor, wenn der Schuldner dauerhaft nicht mehr in der Lage ist, seine Schulden zu zahlen. Dies ist anzunehmen, wenn der Schuldner seine Zahlungen eingestellt hat. Die Zahlungsunfähigkeit ist ein sog. Eröffnungsgrund.
ZustimmungsersetzungIm Rahmen des gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahrens kann das Insolvenzgericht die Zustimmung einzelner Gläubiger zum Einigungsverfahren ersetzen, wenn im Übrigen bei dem gerichtlichen Versuch zumindest die Hälfte der Gläubiger nach Kopf- und Summenzahl zugestimmt hat.
ZwangsvollstreckungZwangsvollstreckung ist eine Art der zwangsweisen Beitreibung einzelner Gläubiger (z.B. Gerichtsvollszieher, Einkommenspfändung, Kontenpfändung). Ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens besteht für Insolvenzgläubiger ein Vollstreckungsverbot.

Abtretung
Die Abtretung der pfändbaren Einkommensanteile ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist eine gesetzlich vorgeschriebene Voraussetzung zur Erlangung der Restschuldbefreiung.

Abweisung mangels Masse
Stellt sich nach Antragstellung heraus, dass die voraussichtliche Insolvenzmasse nicht zur Deckung der Kosten des Insolvenzverfahrens ausreichen wird und kommt eine Stundung der Verfahrenskosten nicht in Betracht, wird der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahren mangels einer kostendeckenden Masse abgewiesen. Das Insolvenzverfahren wird nicht eröffnet.

Ankündigung der Restschuldbefreiung
Mit dem Beschluss über die Ankündigung der Restschuldbefreiung setzt das Insolvenzgericht das Verfahren zur Erlangung der Restschuldbefreiung förmlich in Gang. Dies ist regelmäßig dann der Fall, wenn nicht bereits von vornen herein klar erkennbar ist, dass die Restschuldbefreiung nicht erlangt werden kann.

Aufhebung
Die Aufhebung des Insolvenzverfahrens beschließt das Insolvenzgericht nach Klärung der Gläubigerforderungen, Verwertung des Vermögens und Verteilung der vereinnahmten Gelder an die Gläubiger. Nach Aufhebnung beginnt Insolvenzverfahren im Verbraucherinsolvenzverfahren und im Regelinsolvenzverfahren Selbstständiger die sog. Wohlverhaltensperiode.

außergerichtlicher Schuldenbereinigungsplan
Der außergerichtliche Schuldenbereinigungsplan ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Verfahren zur Schuldenregulierung. Erst, wenn dieser Einigungsversuch scheitert, ist ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zulässig. Ein sog. Nullplan ist hierbei ebenfalls möglich.

Deliktforderung
Deliktforderungen sind Forderungen aus einer vom Schuldner vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung (z. B. Bußgelder), die nicht von der Restschuldbefreiung erfasst sind, d. h., dass der Schuldner diese Forderungen trotz des Insolvenzverfahrens vollständig bezahlen muss.

Eigenantrag
Ein Eigenantrag ist ein vom Insolvenzschuldner selbst gestellter Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Eröffnung
Das Insolvenzverfahren beginnt mit der Eröffnung durch Beschluss des Insolvenzgerichts. Dies auch der Stichtag, ab welchem die 6-jährige Abtretungsfrist (Abtretung der pfändbaren Einkommensanteile) beginnt.

Eröffnungsgrund
Als Gründe für die Insolvenzeröffnung kommt in allen Verfahrensarten die Zahlungsunfähigkeit in Betracht. Bei juristischen Personen (z. B. GmbH) ist auch die Überschuldung ein Grund für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Erwerbsobliegenheit
Erwerbsobliegenheit bezeichnet die Pflicht eines Schuldners, sich während des Insolvenzverfahrens im eigenen Interesse um eine zumutbare Arbeit oder Anstellung zu bemühen. Sie umfasst auch die Pflicht, sich aktiv zu bewerben. Wie weit die Pflicht zu Bewerbungen geht, hängt vom Einzelfall ab. Als Grundregel sind 2 – 3 Bewerbungen pro Woche ausreichend. Ein Verstoß kann zur Versagung der Restschuldbefreiung führen.

Freigabe
Der Insolvenzverwalter hat die Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen bestimmte Vermögenswerte oder eine selbstständige Tätigkeit aus der Insolvenzmasse freizugeben. Diese Entscheidung obliegt alleine dem Insolvenzverwalter, der hierbei sowohl rechtliche als auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt.

Fremdantrag
Ein Fremdantrag ist ein von einem Insolvenzgläubiger gestellter Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Insolvenzschuldners. Der Antrag des Gläubigers ist glaubhaft zu machen, d. h. das Vorliegen eines Eröffnungsgrundes muss belegt werden.

gerichtlicher Schuldenbereinigungsplan
Ein gerichtlicher Schuldenbereinigungsplan ist ein gesetzlich vorgesehenes Einigungsverfahren, das nach Dem Antrag vom Insolvenzgericht eingeleitet wird, wenn eine Einigung nicht offensichtlich aussichtslos ist. Kommt ein gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren zustande, wird das Insolvenzverfahren nicht eröffnet. Stattdessen werden in diesem Verfahren vom Schuldner Zahlungen (Einmalbetrag oder Raten) an die Gläubiger vorgenommen. Danach können die Gläubiger den noch offenen Restbetrag der Forderungen nicht mehr gegen den Schuldner geltend machen.

Gläubigerverzeichnis
In dem Gläubigerverzeichnis gibt der Schuldner im Antrag an, welche Schuldner er hat. Das Verzeichnis muss vollständig sein.

Gutachter
Ein Gutachter wird nach Antragstellung vom Insolvenzgericht regelmäßig dann bestellt, wenn nicht feststeht, dass die Voraussetzungen für eine Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorliegen. Der Gutachter ermittelt die finanzielle Situation des Schuldners und stellt fest, ob ein Grund zur Eröffnung des Verfahrens vorliegt. Ein Gutachter wird in Verbraucherinsolvenzverfahren eher selten bestellt.

Insolvenzbeschlag
Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens unterliegen die pfändbaren Vermögenswerte dem sog. Insolvenzbeschlag, d. h. der Schuldner darf über diese Gegenstände nicht mehr verfügen (s. B. sie veräußern).

Insolvenzforderungen
Insolvenzforderungen sind die Forderungen, welche bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens begründet wurden. Diese können nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens grundsätzlich nur noch durch Anmeldung der Forderung zur Insolvenztabelle beim Insolvenzverwalter geltend gemacht werden.

Insolvenzgericht
Das Insolvenzgericht ist das für Insolvenzverfahren zuständige Amtsgericht.

Insolvenzgläubiger
Insolvenzgläubiger sind die Gläubiger, die Forderungen gegen den Insolvenzschuldner erheben, die vor Eröffnung begründet wurden. Sie können  diese Forderungen nach Eröffnung des Verfahrens nur noch zur Insolvenztabelle anmelden.

Insolvenzmasse
Die Insolvenzmasse ist das Vermögen des Schuldners, das ihm zum Zeitpunkt der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gehört und das er während des Verfahren erlangt. Zur Insolvenzmasse gehören nur pfändbare Vermögensgegenstände.

Insolvenzplan
Das Insolvenzplanverfahren ist eine gesetzlich vorgesehene Möglichkeit für den Schuldner und die Gläubiger, eine Regulierung der Schulden abweichend von den insolvenzrechtlichen Abwicklungs- und Verwertungsregelungen zu vereinbaren. Ein Insolvenzverfahren ist ab dem 01.07.2014 unter bestimmten Voraussetzungen auch für Verbraucher möglich.

Insolvenztabelle
In der Insolvenztabelle führt der Insolvenzverwalter alle Forderungen, die von Gläubigern geltend gemacht wurden. Der Insolvenzverwalter prüft diese Forderungen auf Ihren rechtlichen Bestand und verteilt die Erlöse aus der Verwertung des pfändbaren Vermögens auf der Grundlage der zur Insolvenztabelle festgestellten Forderungen (sog. Quote).

Insolvenzverwalter
Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens tritt der Insolvenzverwalter in die Rechte und Pflichten des Schuldners ein, soweit der Insolvenzbeschlag reicht (siehe Insolvenzbeschlag). Dies gilt sowohl im Regel- als auch in Verbraucherinsolvenzverfahren (mit Antragstellung ab dem 01.07.2014; für Verbraucherinsolvenzverfahren mit Antragstellung bis zum 30.06.2014 beantragt werden siehe Treuhänder).

Neuerwerb
Neuerwerb ist das nach Insolvenzeröffnung erworbene Vermögen des Insolvenzschuldners. Dieses unterliegt dem Insolvenzbeschlag, soweit es sich um pfändbares Vermögen handelt.

Neugläubiger
Neugläubiger sind die Gläubiger, die nach Insolvenzeröffnung eine Forderung gegen den Schuldner erwerben. Diese Schulden muss der Schuldner regelmäßig bezahlen, da sie im laufenden Verfahren nicht zur Insolvenztabelle aufgenommen werden können.

Nullplan
Der sog. Nullplan ist eine Form eines Schuldenbereinigungplans, in welchem den Gläubigern wegen Vermögenslosigkeit des Schuldners keine Zahlungen angeboten werden.

Obliegenheit
Obliegenheiten sind insolvenzrechtliche Pflichten des Schuldners, die im eigenen Interesse zu erfüllen sind. Bei einem Verstoß (siehe Obliegenheitsvertoß) droht die Versagung der Restschuldbefreiung.

Obliegenheitsverletzung
Den Insolvenzschuldner (natürliche Person) treffen im Insolvenzverfahren bestimmte Obliegenheiten (Katalog des § 295 InsO). Dies sind Pflichten, die er im eigenen Interesse erfüllen sollte. Bei Nichterfüllung droht die Versagung der Restschuldbefreiung.

Pfändungsfreigrenze
Die Pfändungsfreigrenze beschreibt die Einkommensschwelle, in deren Höhe dem Schuldner das Einkommen als unpfändbar zu belassen ist. Diese Einkommen dient zur Deckung seiner laufenden notwendigen Lebenhaltungskosten. Einen festen Schwellenwert gibt es nicht. Vielmehr richtet sich die Grenze nach der Höhe der Einkünfte sowie der Anzahl der gesetzlich unterhaltsberechtigten Personen. Wobei zu beachten ist, dass sich das Einkommen zum Teil auch aus unpfändbaren oder teilweise pfändbaren Beträgen zusammen setzt, die bei der Ermittlung der Grenze zu beachten sind.

Quote
Die Quote bezeichnet im Insolvenzverfahren die Höhe der Zahlung an die Insolvenzgläubiger, die aus dem Erlös der Verwertung vom Insolvenzverwalter an die Gläubiger gezahlt wird. In der überwiegenden Anzahl der Insolvenzverfahren erhält der Gläubiger keine vollständige, d.h. 100%ige, Zahlung auf die Forderungen, sondern nur einen Teil (die Quote).

redlicher Schuldner
Unter dem sog. redlichen Schuldner ist zu verstehen, dass Schuldner seine Obliegenheiten einhalten muss, um die Restschuldbefreiung zu verlangen.

Regelinsolvenzverfahren
Das Regelinsolvenzverfahren ist die für juristische Personen (z. B. GmbH) und Personengesellschaften (z. B. KG) sowie für Selbstständige vorgesehene Verfahrensart. Für Privatleute ist die besondere Verfahrensart des Verbraucherinsolvenzverfahren vorgesehen; dies  gilt unter bestimmten Voraussetzungen auch für ehemals Selbstständige.

Restschuldbefreiung
Die Erteilung der Restschuldbefreiung  am Ende eines Insolvenzverfahrens bedeutet, dass der Schuldner sämtliche Schulden, die im Zeitpunkt des Insolvenzantrags vorhanden waren, nicht ausnahmsweise von der Restschuldbefreiung ausgenommen sind (z. B. Bußgelder) und während des Verfahrens nicht befriedigt werden konnten, nicht mehr bezahlen muss.

Restschuldbefreiung, verkürzte
Für Verfahren, die ab dem 01.07.2014 beantragt werden, sieht das Gesetzt eine Möglichkeit der Verkürzung von 6 auf 5 bzw. 3 Jahre vor, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Restschuldbefreiung, vorzeitige
Eine vorzeitige Erteilung der Restschuldbefreiung kann beantragt werden, wenn entweder kein Insolvenzgläubiger seine Forderungen zur Insolvenztabelle angemeldet hat oder die Forderungen der im Insolvenzverfahren festgestellten Forderungen und die Verfahrenskosten vollständiig gedeckt sind.

Restschuldbefreiung, Widerruf der
Die Restchuldbefreiung kann auf Antrag eines Gläubiger binnen eines Jahres nach Rechtskraft der Erteilung der Restschuldbefreiung nachträglich widerrufen werden, wenn der Schuldner eine seiner Obliegenheiten verletzt und hierdurch die Befriedigung der Insolvenzgläubiger erheblich verletzt hat.

Treuhänder
Bei Verbraucherinsolvenzverfahren mit Antragstellung bis zum 30.06.2014 beantragt werden, tritt ab Eröffnung des Verfahrens anstelle eines Insolvenzverwalters ein gerichtlich bestellter Treuhänder in die Rechte und Pflichten des Schuldners ein, soweit der Insolvenzbeschlag reicht. In Insolvenzverfahren über das Vermögen natürlicher Personen übernimmt ein gerichtlich bestellter Treuhänder ab Aufhebung des Insolvenzverfahrens bis zur Erteilung der Restschuldbefreiung, d. h. in der sog. Wohlverhaltensperiode, die Aufgabe, die pfändbaren Einkommensanteile und ggf. die Hälfte einer Erbschaft einzubehalten und jährlich an die Gläubiger auszukehren.

unterhaltsberechtigte Personen
Unterhaltsberechtigte Personen sind die Personen, denen aufgrund des Verwandtschaftsgrades nach dem Gesetz Unterhlat zu gewähren ist. Eine Berücksichtigung dieser Personen bei Bestimmung der Pfändungsfreigrenze kann nur erfolgen, wenn auch tatsächlich Unterhalt geleistet wird. Dies kann durch Zahlung oder auch den sog. Naturalunterhalt erfolgen. Naturalunterhalt wird dann geleistet, wenn der Schuldner einer in seinem Haushalt lebenden Person den notwendigen Lebensunterhalt (z. B. durch Lebensmittel, Kleidung, Wohnraum) zur Verfügung stellt.

Verbraucherinsolvenzverfahren
Das Verbraucherinsolvenzverfahren ist die Möglichkeit, für nicht selbstständig tätige natürliche Personen, ein Insolvenzverfahren durchzuführen mit dem Ziel, nach regelmäßig 6 Jahren die Restschuldbefreiung zu erreichen. Auch ein Verbraucher hat so die Möglichkeit eines wirtschaftlichen Neuanfangs.

Verfahrenskosten
Die Verfahrenskosten des Insolvenzverfahrens setzen sich aus den Gerichtskosten und der Vergütung des Insolvenzverwalters bzw. Treuhänders zusammen. Es gibt keine festen Pauschalen. Die Höhe bestimmt sich nach dem Aufwand, d. h. der Anzahl der Gläubiger und/oder der verwalteten Insolvenzmasse.

Verfahrenskostenstundung
Bei Vermögenslosigkeit muss der Schuldner nicht bereits am Anfang des Verfahrens die Verfahrenskosten als Vorschuss zahlen, sondern erst später (Stundung). Ist der Schuldner auch am Ende des Verfahren vermögenslos, prüft das Insolvenzgericht, das die Verfahrenskosten in Rechnung stellt, noch 4 Jahre nach Erteilung der Restschuldbefreiung, ob der Schuldner die Kosten zahlen kann (sog.”Nachhaftung”). Erst, wenn nach Ablauf von 4 Jahren nach Erteilung der Restschuldbefreiung Vermögenslosigkeit vorliegt, entscheidet das Gericht, ob die Verfahrenskosten niedergeschlagen, d.h. erlassen werden.

Versagung der Restschuldbefreiung
Die Restschuldbefreiung wird auf Antrag eines Gläubigers versagt, wenn der Schuldner seine Obliegenheiten verletzt hat. Die Entscheidung über die Versagung trifft das Insolvenzgericht. Der Schuldner wird vorher angehört.

Vollstreckungsverbot
Ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens besteht ein gesetzliches Verbot, die Insolvenzforderungen im Wege der Zwangsvollstreckung weiter zu verfolgen.

vorläufiger Insolvenzverwalter
Ein vorläufiger Insolvenzverwalter wird im Regelinsolvenzverfahren bestellt, wenn Gegenstände, die nach Eröffnung dem Insolvenzbeschlag unterliegen, bereits vor Eröffnung gesichert werden müssen. Der vorläufige Insolvenzverwalter sorgt dafür, dass diese Gegenstände als Haftungsmasse im Vermögen des Schuldners erhalten bleiben.

Wohlverhaltensperiode
Nach Aufhebung des Verfahrens beginnt der zweite Verfahrensabschnitt des insgesamt regelmäßig 6 Jahre dauernden Verfahrens, die sog. Wohlverhaltensperiode (oder Restschuldbefreiungsphase genannt). In diesem Verfahrensabschnitt hat der Schuldner nur noch die pfändbaren Einkommensanteile und ggf. die Hälfte einer Erbschaft an den Treuhänder abzuführen, ansonsten ist er wieder selbst verfügungsbefugt. Das “Wohlverhalten” in diesem Verfahrensabschnitt bedeutet, dass der Schuldner bestimmte Regeln einhalten muss wie etwa die Erwerbsobliegenheit oder die Pflicht, einen Wohnsitzwechel mitzuteilen.

Zahlungsunfähigkeit
Zahlungsunfähigkeit liegt vor, wenn der Schuldner dauerhaft nicht mehr in der Lage ist, seine Schulden zu zahlen. Dies ist anzunehmen, wenn der Schuldner seine Zahlungen eingestellt hat. Die Zahlungsunfähigkeit ist ein sog. Eröffnungsgrund.

Zustimmungsersetzung
Im Rahmen des gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahrens kann das Insolvenzgericht die Zustimmung einzelner Gläubiger zum Einigungsverfahren ersetzen, wenn im Übrigen bei dem gerichtlichen Versuch zumindest die Hälfte der Gläubiger nach Kopf- und Summenzahl zugestimmt hat.

Zwangsvollstreckung
Zwangsvollstreckung ist eine Art der zwangsweisen Beitreibung einzelner Gläubiger (z.B. Gerichtsvollszieher, Einkommenspfändung, Kontenpfändung). Ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens besteht für Insolvenzgläubiger ein Vollstreckungsverbot.